Über Trachten

Gemeinsam mit dem Sudetendeutschen Archiv arbeitet die Heimatpflege am Aufbau einer Dokumentationsstelle für Trachten und historische Kleidung aus den Sudetenländern. Sammelgebiete: historische Trachten und Trachtenteile, Schnittmuster, Stoffmuster, Bildquellen, Fachliteratur, hand- und maschinenschriftliche Dokumentationen, etc. Historische Objekte und Bildquellen werden dem Sudetendeutschen Archiv übergeben, wo sie inventarisiert und sachgerecht aufbewahrt werden und in Ausstellungen sowie im künftigen Sudetendeutschen Museum präsentiert werden können.

Gerne vermitteln wir Kontakte zu den Trachtenberaterinnen und Trachtenberatern der verschiedenen Heimatlandschaften (siehe auch die Seiten "Trachten der Heimatlandschaften"). Hier finden Einzelpersonen und Gruppen Beratung und Hilfe bei der Anschaffung und Herstellung einer den heutigen Bedürfnissen angepaßten, an historischen Vorbildern orientierten Tracht. Manche Trachtenberaterinnen bieten auch Trachtennähkurse an.

Die "Forschungs- und Beratungsstelle für Trachten- und Kleidungskultur in Schwaben" bietet ein ausführliches Verzeichnis von Bezugsquellen an.

Geschichte der sudetendeutschen Tracht

19. Jahrhundert

Bedeutungsrückgang der Trachten

In vielen der deutsch besiedelten Gebiete Böhmens und Mähren-Schlesiens verschwanden die Trachten bereits im 19. Jahrhundert aus dem Alltagsleben. Die frühe Industrialisierung und der dadurch einsetzende Aufschwung für die oft kargen deutschen Siedlungsgebiete trugen ihren Teil dazu bei.

In den Sprachinseln hielt sich die Tracht dagegen wesentlich länger, in der Wischauer Sprachinsel sogar bis zur Vertreibung 1946. Ein Grund für dieses Traditionsbewußtsein ist in dem Bemühen zu suchen, sich von der tschechisch geprägten Umgebung abzugrenzen und die eigene deutsche Identität zu betonen und zu bewahren.

Dieses Potential zur Abgrenzung besitzt jede Kleidung. Sie verweist nicht nur auf den individuellen Geschmack ihres Trägers oder ihrer Trägerin, sondern zeigt mit Hilfe eines ausgeklügelten, sich ständig wandelnden Kleidercodes immer auch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe an. Problematisch wird dieses Phänomen dann, wenn es instrumentalisiert wird und damit auch seine Lebendigkeit und Vielfalt verliert.

Frühes 20. Jahrhundert

Renaissance der Tracht

In einzelnen sudetendeutschen Gebieten erwachte schon früh ein neues Interesse an der Tracht. Im Egerland begann diese Entwicklung um 1900 in Verbindung mit dem Bädertourismus. Im Böhmerwald rief 1915 der Lehrer Josef Schramek dazu auf, die Böhmerwaldtracht wieder aufleben zu lassen. Im Schönhengstgau begann die Trachtenerneuerung mit den Singwochen des Volksliedforschers Walther Hensel (1923).

1930er Jahre

Trachtenerneuerung im Rahmen des "Volkstumskampfes"

In den Jahren 1937 und 1938 erfuhr die Tracht einen erneuten Bedeutungswandel. Ein "Trachtenausschuß der Volkstumsverbände" wurde gegründet. Wissenschaftlicher Berater wurde der Volkskundler Dr. Josef Hanika (1900-1963). Es wurden regionale Unterausschüsse eingerichtet, die sofort begannen, alte Trachtenteile zu sammeln und Fragebogen an Gewährspersonen zu versenden. In Anlehnung an diese historisch nachgewiesenen Trachten wurden nun erneuerte Trachten entworfen. Es sollten Trachten sein, die für alle erschwinglich waren - ein wichtiger Punkt in den damaligen Notzeiten. Daher wurde auf teure Stoffe und Auszier verzichtet. Sie sollten sich auch von Laien schneidern lassen, daher wurden möglichst einfache Schnitte gewählt. Und schließlich sollten sie den "modernen" und "hygienischen" Ansprüchen der Zeit genügen.

Ziel dieser neuen Trachtenbewegung war es, das deutsche Zusammengehörigkeitsgefühl im sogenannten Volkstumskampf zu stärken. Für differenzierte regionale und soziale Unterschiede, wie sie sich immer in Kleidung und Tracht gespiegelt haben, und für den ständigen Wandel unter dem Einfluß der Mode war unter diesem Blickwinkel kein Platz.

Nach 1945

Das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Vertreibung der Deutschen wirkten sich auch auf die Tracht, ihren Tragezusammenhang und ihre Bedeutung aus. Im Vertreibungsgepäck hatten die Trachten oder Trachtenteile nur selten Platz; wertvolle Stücke wie Trachtenschmuck durften nicht mitgenommen werden. Bald nach der Ankunft in Westdeutschland entstand mit den ersten Vertriebenentreffen auch der Wunsch, wieder Tracht zu tragen - sicher gefördert durch die lebendige Trachtentradition in Bayern, wo sich der Großteil der Sudetendeutschen niederließ. Der Landschaftsrat für den Böhmerwald beschloß beispielsweise schon 1953 auf einer Tagung in München, eine allgemeine Böhmerwäldler Tracht einzuführen. Mit einfachsten Mitteln wurden "Nottrachten" hergestellt. Sie orientierten sich oft an den Schnitten der erneuerten Tracht von 1937/38, die sich leicht und preiswert nachschneidern ließen.


Die Erforschung der historischen Trachten in ihrer Vielfalt war vor 1990 sehr erschwert. Inzwischen besteht jedoch die Möglichkeit, Forschungen an Originalteilen in Museen durchzuführen. So rekonstruiert beispielsweise das Nordböhmen-Heimatwerk anhand musealer Stücke alte Schnitte nordböhmischer Trachten.

Trachten der Heimatlandschaften

Festtracht der Adlergebirgler

(beschrieben von Anni Zintl) 

Die Festtagstracht der Adlergebirgler wurde bis etwa 1850 von Bürgerinnen und Bäuerinnen zu festlichen Anlässen und zum Kirchgang getragen, in einzelnen Fällen auch noch bis zur Jahrhundertwende.

Die hier gezeigte Tracht orientiert sich am Vorbild eines Festtagsgewandes aus dem Dorf Katscher (Kacerov) im Adlergebirge. Es war nicht einfach, dessen Form zu rekonstruieren, stand doch nach der Vertreibung nur ein einziges Originalteil zur Verfügung: ein Spenzer in der Heimatstube der Adlergebirgler, der jedoch zum Werktagsspenzer umgearbeitet worden war. Immerhin konnte man auf einige Seiten in der Doktorarbeit von Wilhelm Oehl zurückgreifen, auf denen die Tracht des Adlergebirges beschrieben war. Deshalb war die Freude groß, als die Adlergebirgler Jahre später von der tschechischen Volkskundlerin Prof. Dr. Hynková den Schnitt der Katscherer Festtagstracht erhielten, der im Prager Volkskundemuseum aufbewahrt wird, und sich zeigte, daß die Rekonstruktion der historischen Tracht bis auf wenige Details korrekt war.

Auffallend an dieser Festtagstracht ist vor allem der Spenzer aus sattgrünem Wollbrokat mit seinem typischen, großen Kragen. Reicher Bortenbesatz und der gefältete Abschluß am rückwärtigen Schößchen ("Orchelpfeiflan" oder "Archlpfeiflan") erforderten große Geschicklichkeit im Handarbeiten. Die gelegten weichen Falten, die Rüschchen am Ausschnitt und an der Knopfleiste sind aus doppelt gelegtem Stoff, sie sind mit einem Faden durchzogen und zusammengezogen, so daß sich Tütchen bilden. Am Kragenrand sind kurze wollene Fransen in Regenbogenfarben und seidene rosa und grüne Borten angebracht. Das Ärmelende säumen unterlegte Zähnchen, die Manschette ist mit zwei wollenen hellgrünen Borten und einem Fransenstreifen versehen. Der Gürtel ist mit einem seidenen Atlasband eingesäumt und über dem Schößchen mit Perlmuttknöpfen verziert.

Leibl und Rock sind zusammengenäht und bestehen ebenfalls aus grünem Wollbrokat. Darunter wird eine weiße Bluse getragen. Eine seidene Schürze ergänzt das Erscheinungsbild.

Die Teßtaler Festtagstracht

(beschrieben von Margarete Heinisch)

Die Tracht ist benannt nach der Teß, die im nordmährischen Altvatergebirge entspringt. Den Mittelpunkt des Teßtales bildete die Kreis-, Industrie- und Schulstadt Mährisch Schönberg (©umperk) mit seinen Leinen- und Seidenwebereien. Die Tracht wurde im ganzen Teßtal und seinen Nebentälern getragen. Ihre Blütezeit lag um 1800. Durch Josef Hanika wurde sie vereinfacht wiedereingeführt.

Mädchen- und Frauentracht werden nach dem gleichen Schnitt gefertigt. Das Rückenteil ist dreiteilig, das Vorderteil wird an den üblichen Zwickelstellen gereiht oder gefältelt und der Verschluß mit verdeckten Hafteln und Schlingeln versehen. Die Schlußlinie läuft vorne und rückwärts in einer Spitze ("Schneppe") aus und wird wie die Ärmelloch-Hals-Linie sowie die Rückenteilnähte mit Schnurvorstoß versehen. Der Rock hat drei bis vier Bahnen und reicht beim Mädchen bis zur Wade, die Festtagstracht ist knöchellang.

Die Blau- oder Vielfarbendrucke des Mädchenkleides zeigen streifen- und girlandenförmige Blumenmuster. Die Puffärmel reichen bis zum Ellenbogen. Dazu wird ein dreieckiges Schultertuch aus weißem Batist getragen, das in Weißstickerei ausgeführte Lebensbaum- oder Blütenmuster zeigt. Die schmale Seidenschürze hat die gleiche Farbe wie das Abschlußband des Häubchens ("Feiernapple").

Die Frauenfesttagstracht wird aus schillernder Seide oder Taft gefertigt und in gedeckten Farben - grün, braun, violett, gelb oder blau - gehalten. Dazu gehört das Brauttuch, das aus weißem Baumwolltüll besteht und mit aufeinander zustrebenden Spiralen, Ranken und Knospen in Durchzugsarbeit gestickt ist. Die Brauthaube ("Malkschaffle") gab es in Gold, Silber oder schwarzem Krepin, letzteres wohl als Witwenhaube. Der Hinterkopf der Haube ist stark ausgeprägt und mit Gold- und Silberstickerei verziert. Der Schirm besteht aus Gold- und Silberfäden oder Borten, am Schirmrand aus weißer Tüllspitze. Der Spenzer war aus dunkelblauem, schwarzem, braunem oder grünem Tuch gearbeitet.

Trachtenberaterin Margarete Heinisch (rechts) in der Teßtaler Festtagstracht, links die Mädchentracht

Die Budweiser Festtracht

(beschrieben von Olga Hartmetz-Sager)

Die Festtracht wurde bis 1946 in der Sprachinsel und im Umland von Budweis (Èeské Budìjovice) getragen. Es handelt sich um eine Miedertracht mit einem meist bunten Leibteil. Das Mieder kann aus verschiedenen Stoffarten gefertigt werden.

Das Mieder ist vorne offen und an Miederhaken oder in Miederlöchern geschnürt. Ein Stecklatz kann (nach der älteren Tragweise) eingesteckt werden. Der Latz war früher goldverziert und bestickt, wurde jedoch in der letzten Tragzeit nicht mehr eingesteckt, da das Brust- oder Schultertuch vorne geschlossen getragen wurde und der Latz nicht mehr notwendig war. Die Schnürung ist jedoch geblieben.

Das Mieder wird zu einem bis zu fünf Meter weiten, in hohe Stehfalten gefaßten Rock ("Kittl") aus Leinen, Baumwolle oder (später) Wolle getragen. Der Rock kann am Mieder angenäht sein (jüngere Form, bis 1946 und heute) oder getrennt an Rockhaken (ältere Art, um 1820 bis etwa 1870) getragen werden. Er ist mit einer 6-8 cm breiten Webborte verziert, die etwa 20-25 cm über dem Rocksaum angenäht ist.

Zur Tracht wird eine reinseidene Schürze getragen. Sie war im allgemeinen bunt, hell pastell oder dunkler gestreift und hatte in die Streifen eingewebte Blumenmuster (broschurt).

Das seidene bunte Schultertuch durfte zur Tracht nicht fehlen, wie auch das spitzenverzierte weiße Tüchlein, das im Schürzenbund angeheftet war. Das "Hauptentuch" aus schwarzer Baumwolle oder Seide ist an allen vier Ecken mit bunten eingestickten oder broschurten Blumen verziert.
Mit Puffärmeln bis zum Ellbogen war die "Budweiser Bluse" ("Pfoad") zu sehen. Schulterplatten und Stehkrägelchen sind mit Weißstickerei verziert, die Ärmel haben ein Bündchen mit Spitzenverbrämung und sind an der Schulter gesmokt und bestickt.

Zur Tracht gehörte auch eine mit schwarzen Perlen besetzte Taillenjacke, die heute jedoch kaum nachgenäht wird, da die Posamententeile fehlen. Dazu wurden weiße Kniestrümpfe ("Stutzen") und schwarze Halbschuhe getragen, außerdem ein Körbchen oder ein "Zöger" und zum Kirchgang Fingerhandschuhe, Wachsstöcklein und Gebetbuch. Der oder mehrere "Interschekiedl" wurde(n) unter dem Kittl getragen, heute wird der weiße Unterrock gerüscht.

Trachtenberaterin Olga Hartmetz-Sager in der Budweiser Festracht

Goldhaubenkleid mit "Linzer Goldhaube" aus Rosenberg

(beschrieben von Brigitta Schweigl-Braun)

Das Goldhaubenkleid aus dunkelblauer Wildseide wurde in der Böhmerwaldstadt Rosenberg (Romberk nad Vltavou) zur sogenannten "Linzer Goldhaube" noch in den 1930er Jahren getragen. Hierzu gibt es alte Fotografien von einer Goldhaubengruppe aus Rosenberg.

Es handelt sich um ein Bürgerkleid, das an die Modeströmung des Biedermeier angelehnt ist. Als Reaktion auf das Empire rückt hier der Gürtel wieder in die Taille. Die Taille ist glatt und endet im sogenannten Spitzleib. Die Ärmel, an den Schultern gepufft, zum Handgelenk hin als Schiebeärmel schmaler werdend, wurden Schinken- oder Hammelkeulenärmel genannt.

Der Rock ist in der Taille durch Stehfältchen zusammengefasst und kann in der unteren Breite bis zu zehn Metern Umfang haben. Darunter wird ein verstärkter Unterrock (ehemals mit Rosshaar) getragen. Zur Zeit des Spätbiedermeier wurden die Röcke durch Krinolinen unterstützt. Als Schutz gegen die Witterung gehört zum Goldhaubenkleid ein großes "türkisches" rotgemustertes Cashmeretuch mit Paisleyornamentik, da der weite Rock keinen Mantel vertrug.

Als Accessoires gehören zum Goldhaubenkleid: ein Spitzentaschentuch zum Einschlagen des Gebetbuches, ein Rosenkranz, Spitzenhandschuhe oder halbe "Handstutzeln", ein Biedermeiersträußchen und ein Sonnenschirmchen, ein weißer Spitzenkragen.

Die Goldhaube besteht aus einem Drahtgerüst, auf das ein mit Goldfäden bestickter Stoff gezogen wird. Typisch für diese Art der Haube ist die Helmform, der Knauf oder "Böndel" und die Flügelspitze mit einer Schleife aus versteiftem Tüll oder Organdy, dem sogenannten Flor. Die Goldfäden bestehen aus einem textilen Grundfaden, der mit Metalldrähten, dem sogenannten Lahn, umsponnen ist. Das Goldlahn entsteht durch Auswalzen von massiven oder plattierten Metalldrähten. Eine weitere Auszier der Haube sind Goldpailletten, die sogenannten Flinserln.

Literatur: Lipp, Franz Carl: Von der Herstellung der Linzer Goldhaube. In: Goldhaube und Kopftuch. Linz 1980, S. 91-101

Trachtenberaterin Brigitta Schweigl-Braun im Goldhaubenkleid aus Rosenberg

Die erneuerte Böhmerwald-Frauentracht

(beschrieben von Erika Weinert)

Die erneuerte Böhmerwaldtracht wurde nach der Vertreibung im Jahre 1957 an Hand einer Trachtenbeschreibung gefertigt. Aus einfachsten Anfängen, zum Teil aus dem Gedächtnis, entstand sie wieder. Als Attribut der Vertreibung und der Trauer wurde sie anfangs mit einer schwarzen Schürze ausgestattet.

Der Leiblkittel (Rock und Oberteil bilden ein Kleidungsstück) ist aus Wollstoff oder Mischgewebe. Der Stoff soll leinenbindig in zwei Farben sein (z.B. Kette blau, Schuß schwarz). Das Oberteil kann auch ein kleines Muster in kräftigen, aber nicht grellen Farben aufweisen. Hals und Armausschnitt sind mit einer Paspoilschnur, mit Stoff vom Mieder oder Rock eingefasst. Sieben silberne Trachtenknöpfe verschließen das Mieder. Der Rock ist gestiftelt (von Hand in Stehfalten gezogen) und unter der Schürze in Falten gelegt.

Die Schürze ist aus einfarbiger oder gemusterter Seide oder Seidenmischgewebe in einer nicht zu hellen Farbe, die zum Leiblkittel passt. Sie wird mit einer Trachtenschließe oder einem Knopf seitlich verschlossen.

Die Bluse aus weißem Halb- oder Rohleinen oder Baumwollmischgewebe kann mit kurzem oder langem Oberteil genäht werden. Der Halsausschnitt kann mit Stehkragen, rolliert oder mit Spitzenrüsche gearbeitet werden. Der sehr weite Ärmel der Festtagsbluse wird schräg geschnitten und ist am Oberarm und an den Bündchen sehr aufwendig mit Ziersmok oder Zierstichen bestickt.

Das Schultertuch ist aus Seide und farblich auf Leiblkittel und Schürze abgestimmt. Das Kopftuch ist aus schwarzer Seide und mindestens 150 x 150 cm groß. Es sind mehrere Bindearten möglich.

Dazu werden weiße Kniestrümpfe und schwarze Schuhe getragen.

Trachtenberaterin Erika Weinert in der in der erneuerten Böhmerwaldtracht

Die Mödritzer Festtracht

(beschrieben von Inge und Horst Biefel)

Zur Brünner Sprachinsel gehörten die vier Orte Mödritz (Modrice), Morbes (Moravany), Brünn-Priesenitz (Brno-Prizrenice) und Schöllschitz (Zelesice). Jeder dieser Orte hatte eine eigene Frauentracht, die Männer trugen in allen Orten dieselbe Tracht.

Das Leibchen ("Laibl") war meist aus Samt und bestickt. Arm- und Halsausschnitt sind mit Zackenlitze oder "Mauszahndln" benäht. Die Bluse ("Prusthejmat") ist aus Perkalchiffon oder Leinen. Am Halsausschnitt und an den gestärkten Puffärmeln sind breite Spitzen angebracht. Der Oberrock ("Schurz") aus gutem Kammgarn oder Baumwolle hat als Aufputz unten, etwa 10 cm vom Saum entfernt, eine10-20 cm breite, durchbrochene Spitze und am Saum selbst eine "Pirschtalschnur" (Besenborte) angenäht. Darunter wurden meist drei weiße Unterröcke ("Intaschirz") getragen, die mit Spitzen benäht sein können und bei der Festtracht immer gestärkt sind. Als Tragehilfe wird darunter eine dicke Stoffwurst ("Hansl") gebunden. Die Schürze ("Virstejk" oder "Virtich") ist aus Taft oder Seide und wird hinten mit einer großen Schleife ("Oaschmaschn") gebunden. Zur Tracht gehört auch das Halstuch ("Holstiachl") mit Fransen, das je nach Geldbeutel aus Baumwolle oder Seide sein kann. Das Kopftuch ("Kaoupftiachl" oder "Pundhaubn") ist etwa 150 x 150 cm groß, von roter Farbe mit einem buntgemusterten Rand. Typisch für Mödritz ist das "Zigordl", eine gedrehte, gerollte Kopftuchecke, welche 10-20 cm lang schräg immer nach links hinten vom gebundenen Kopftuch absteht. Ergänzt wird die Festtracht durch das weiße, mit Häkelspitzen versehene Tüchlein ("Paradatichl"), das auch bestickt sein kann und in der Hand getragen wird.

Die erneuerte Männertracht besteht aus einem schwarzen breitkrempigen Filzhut ("Huit"), einer braunen Weste ("Bejstn") und einer schwarzen langen Hose ("Haousn"). Dazu gehört ein weißes Hemd ("Hejmad"), an dessen Kragen eine schwarze Samtschleife ("Pantal") gebunden wird. Dazu gehören selbstverständlich schwarze Socken und Schuhe ("Fuißsackln", "Schuich"). Das Sakko ist aus blauem oder braunem Wollstoff.

Trachtenberater Inge und Horst Biefel in der Mödritzer Festtracht

Sprachinseln Budweis & Stritschitz: Die Trachten

Beide Sprachinseln sind unmittelbar benachbart. Nicht selten wird Stritschitz sogar zur Budweiser Sprachinsel dazugezählt. Bei den Trachten lassen sich keine wesentlichen Unterschiede feststellen. In der Budweiser Gegend scheinen die Röcke jedoch häufiger plissiert gewesen zu sein als im Stritschitzer Gebiet. Auch die Tracht des zur Budweiser Sprachinsel gehörigen Dorfes Lodus weist eigenständige Merkmale auf.
Generell ähneln die Budweiser und Stritschitzer Trachten in der Form dem Typus der "Trachtengwandter" im Bayerischen Wald sowie in Österreich.

Die Budweiser Frauentracht

Das versteifte Mieder ist meist blumenbunt, seine Farbe nicht festgelegt. Es besteht aus Wolle- oder Seidenstoffen. Die beiden Vorderteile werden über Haken oder Ösen geschnürt. Der Leerraum vor der Brust wurde in der älteren Form möglicherweise mit einem Stecklatz geschlossen. Später benutzte man dafür ein um den Hals gebundenes, buntes Seidentuch mit Fransen.

Der Oberrock ("Kittel") ist im Unterschied zu den Trachten der Stritschitzer Gegend fein plissiert, seine Farbe variabel.
Die Seidenschürze war fast rocklang und mit Spitzen umrandet. Charakteristisch sind großzügige, mit Blumenmustern unterlegte Streifen. Die Schürzenbänder können vorne (ältere Form) oder am Rücken gebunden werden.

Die Bluse ("Pfoad") besteht aus feinem Leinen oder Baumwollstoff. Sie kann kurz- oder langärmelig sein und besitzt Schulterfleck und Unterachseleck. An Hals und Ärmeln weist sie eine kleine Spitze auf.

Besonders wichtig war das große schwarze Kopftuch mit bunten, schwarzen oder mit reicher Goldstickerei versehenen Ecken. Manche Kopftücher wurden bereits in der Weberei broschiert (d. h., Teile von Blumenmustern wurden extra eingewebt).

Die Frauen trugen weiße, handgestrickte Strümpfe und schwarze Schnallenschuhe.

Zu den Budweiser und Stritschitzer Trachten gehörten eng anliegende, knapp über die Hüfte reichende Jäckchen. Sie waren oft schwarz und aus Samt mit vorgearbeiteter, reichlicher Perlenverzierung. Das Innere der Spenzerjacken bestand aus starkem Leinenstoff und war teilweise auch mit Fischbein versteift. Auf Fütterung wurde in der Regel verzichtet.

Die Stritschitzer Frauentracht

Der Oberrock ("Kittel") wurde normalerweise glatt getragen. Es wurden Wollstoffe in ganz verschiedenen Farben dafür verwendet. Der häufig mindestens 3 m breite Rock wurde in der Taille mit tiefen Stehfalten versehen. In der äußeren rechten Falte befindet sich eingenäht der "Kittelsack".

Schürzen und Jacken: wie bei der Stadttracht.

Das Mieder war zumeist blumenbunt, aber mit unterschiedlichen Grundfarben. Durch die abgesteppten Schnurnähte erreicht das Mieder eine körperenge Fassung. Die Schnursteppungen konnten variabel sein. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Steppungen vereinfacht oder sogar weggelassen worden.

Die Frauenfesttracht aus Lodus

Das kleine Dorf Lodus ( Mladé) bei Budweis hob sich hinsichtlich der Trachtenform von den anderen Sprachinselorten ab. Vielleicht wollten die Loduser eigene Traditionen pflegen oder ihren Wohlstand betonen. Möglicherweise etablierte eine einfallsreiche Störschneiderin erfolgreich neue Formen.

Zum Miederleibl gehört ein Brustlatz aus Seide, den seitwärts mehrere große Knöpfe halten. Das Leibl wird unter dem aufgesetzten Latz geknöpft und besitzt keine Fischbeinversteifung. Es kann im Rückenteil am Oberrock angenäht sein. Vorne hingegen sollte es lose sein, weil die Schürze bis hin zu den Rockseiten unter dem Leibl getragen wird.

Die bunte Seidenschürze ist groß gemustert. Die Schürzenbänder werden auf dem Rücken gebunden.

Am Saum des Oberrocks wird ein etwa 8 cm breites Seidenband so aufgenäht, dass noch ungefähr 2 cm des Rocksaumes zu sehen sind.

Den Kopf schmückt bei festlichen Anlässen eine silber- oder golddurchwirkte Bodenhaube.

Angaben nach Olga Hartmetz-Sager, Passau, Autorin eines geplanten Buches mit dem Arbeitstitel: Unser Gwand. Die Frauentracht im Böhmerwald …, erforscht und aufgezeichnet von Olga Hartmetz-Sager.

Die Männertracht

Die wichtigsten Elemente der Budweiser Männertracht um 1900 waren:

  • Eine schwarzlederne Bundhose (z.T. mit aufgenähten weißen Ornamenten),
  • gestrickte helle Kniestrümpfe,
  • feste Halbschuhe (eine Art Haferlschuhe),
  • ein weißes Hemd mit weiten Ärmeln und ausgenähtem Kragen,
  • eine bis zum Hals geschlossene Samtweste (einfarbig oder kleingeblumt),
  • ein blaues oder rotes Seidenhalstuch,
  • ein breiter Bauchgurt aus schwarzem Leder (verziert mit Federkielornamenten o.ä.),
  • ein kleinkrempiger steifer Hut,
  • als Jacke diente ein karierter Trachtenjanker oder ein fellgefütterter langer blauer Mantel ("Bobr").


Angaben nach: Sedlmeyer, Budweis, 1979, S. 427.

Zur Trachtenerneuerung

In beiden Sprachinseln wurde die oben beschriebene Tracht zum Zeitpunkt der Vertreibung nurmehr von der Großelterngeneration an Sonn- und Festtagen getragen. Zumindest aus Teilen der Stritschitzer Sprachinsel sind Initiativen zur Trachtenerneuerung bekannt: Die schweren langen Röcke wurden von der Dorfschneiderin in kürzere, weniger weite Exemplare umgenäht. An der geschnürten Miederform änderte sich wenig; zum Teil wurden Mieder und Rock nun verbunden. Mitunter wurden alte Schürzen zu Miedern umgearbeitet. Bei Blusen, Schürzen und Schultertüchern gab es keine wesentlichen Neuerungen.

Junge Sprachinsler in erneuerter Tracht führten 1940/42 eine "Bauernhochzeit" auf. Für die beteiligten Mädchen wurden neue, einheitlich grüne oder rote Röcke und schwarze Mieder genäht. Die jungen Männer trugen die Tracht ihrer Großväter. Seit den 1940er Jahren kam zudem immer stärker das im Vergleich zur Tracht bequemere, alpenländisch inspirierte Dirndlkleid in Mode.

                                                                                    
Angaben nach Margarete Knof, Hösbach (Heimatortsbetreuerin für Stritschitz).

Hochzeitspaar aus der Budweiser Sprachinsel, Budweis 1911 (BayHStA, SdA, Bildersammlung 77.713; Fotograf: Fotoatelier A. Wildt)

Familie aus Saborsch, Stritschitzer Sprachinsel, Budweis 1896 (Reproduktion nach einer Vorlage von Margarete Knof, Heimatortsbetreuerin für Stritschitz; Fotograf: Fotoatelier Robert Lauhans).

Die Tracht der Region Chotieschau-Kladrau

Die Bewohner der Industriestadt Pilsen trugen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert keine Tracht mehr. Über mögliche ältere Stadttrachten wurden bislang keine Beschreibungen publiziert. Schon in den 1830er Jahren kamen Trachten offenbar nurmehr im Umland vor. Johann G. Sommer, der Topograph Böhmens, berichtet 1838 über den Kreis Pilsen:

Eigenthümliche Trachten beim Landvolke haben sich in mehren Gegenden, sowohl bei den böhmischen als teutschen Bewohnern erhalten. Ziemlich allgemein herrschend sind beim weiblichen Geschlechte rothe Strümpfe, sonst aber unterscheiden sich die Trachten verschiedener Gegenden merklich voneinander.

Das städtische Umland war nur im Südwesten (Chotieschauer Gebiet) von deutschsprachiger Bevölkerung bewohnt. Chotieschau und auch das westlich angrenzende Kladrau waren bis ins späte 18. Jahrhundert klösterliche Grundherrschaften. Dies trug vielleicht dazu bei, daß die Bevölkerung ihr traditionelles Kleidungsverhalten relativ lange beibehielt: Die Männertracht war bis ins ausgehende 19. Jahrhundert präsent. Die Frauentrachten wurden vereinzelt sogar bis zur Zeit der Vertreibung getragen. Zudem gab es nach 1938 Versuche zur Trachtenerneuerung.

Überlegungen zur Herkunft der Chotieschauer Tracht

Der Egerländer Schulmann und Heimatforscher Josef Hofmann (1858-1943) wies auf typisch slawische Elemente wie die roten Strümpfe hin. Er vermutete daher tschechische Einflüsse bzw. Vorbilder. Dies wäre nicht erstaunlich: Aus Briefen der Klosterleitung geht hervor, daß viele Klosteruntertanen im 17. Jahrhundert ihre tschechische Muttersprache nach und nach durch das Deutsche ersetzten. Der völkisch gesinnte Trachtenforscher Josef Hanika (1900-1963)  vermutete hingegen einen gänzlich deutschen Ursprung. Er sah in der Chotieschauer Tracht ein ins Bäuerliche übertragenes höfisches Rokokogewand.

Die festliche Frauentracht ("Weiwazwesen")

Das Hemd reichte fast bis zum Knie. Es bestand aus Leinen und hatte sehr voluminöse Ärmel ("Pauschärmel"). Die Ärmel-Enden ("Tatzen") und der Halsausschnitt hatten Spitzensäume. Im frühen 19. Jahrhundert waren auch Halskrausen üblich gewesen. Diese wurden mit der Zeit durch Halstücher ersetzt.

Der Oberrock ("oberer Kittel", "Pröller") war fein plissiert und meistens dunkelblau. Als Zierde dienten ihm Bänder, die oberhalb des Saumes aufgenäht waren. Damit der Rock beim Gehen schön schwang, nähte man eine dicke Schnur oder Kordel in den meist roten Saum ein.
Unterröcke ("Kittel") trug man drei bis vier Stück. Als letzter Unterrock wurde gerne ein abgetragener Oberrock verwendet. Der unterste und kürzeste Unterrock  wurde auch "Furzkittel" genannt.

Verheiratete Frauen trugen eine gestreifte ("glinierte") rote oder grüne Schürze ("Firta", "Fürtuch"). Ledige Mädchen bevorzugten geblümte Schürzen. Das Material bestand meist aus Baumwolle, teils aber auch aus Seide.

Das Mieder ("Leiwl") bestand idealerweise aus Samt und wurde vorne geschnürt. Am Rücken war es mit kleinen Flimmerln und Glasperlen bestickt.
Es wies an der Rückseite eine Wulst auf ("Leiwlwurscht"). Diese sorgte dafür, daß die Röcke schön fielen.

Zur Kopfbedeckung:Verheiratete Frauen trugen über ihrem Dutt große weiße leinene Kopftücher mit schwarzen Seidenstickereien. Ledige Mädchen flochten sich Zöpfe und setzten ein "Stirntüchl" aus Samt und besticktem Leinen auf. Hinzu kam eine große runde Haarnadel aus Messing. Beliebt war auch das "Schöpperl", ein kleines Kopftuch, das unter dem Dutt geknotet wurde.

Als Jacken waren Spenzer aus weißem Tuch mit grünen oder roten Paspeln üblich. Für den Winter gab es den Weiberpelz ("Weiwatspelaz"). Er war mit Lederstreifen, Schnüren und gestickten Blumen verziert.

Die Strümpfe reichten über das Knie hinauf und waren aus dicker, rot gefärbter Wolle gestrickt. Sie wurden unter den Knien mit bestickten Bändern ("Bandbandlan") abgebunden.

Als Schuhe wurden meist einfache Lederpantoffeln getragen. Für feierliche Anlässe gab es niedrige Halbschuhe ("Batschala") aus bunt besticktem schwarzem Samt.

Die Männertracht ("Mannatswesn")

An Werktragen trug man ungebleichte Hosen aus grobem Leinen. Zudem gab es die Lederhose aus ungefärbtem, gelblichem Material. Bei älteren Exemplaren konnte an der Vorderseite das "Huasntürl" aufgeknöpft und herunterklappt werden. Bei den während der 1930er/40er Jahre erneuerten Trachten fehlte dieses Element. In einem seitlich aufgenähten Täschchen konnte bei feierlichen Anlässen ein Lederbehälter mit Besteck aufbewahrt werden. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde der Ledergürtel zunehmend durch Hosenträger ersetzt. Zu den Hosen trug man schwarze Schaftstiefel.

Das Hemd war kragenlos und meist aus selbstgemachtem Leinen. Am Hals wurde es mit einem Bändchen gebunden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen zunehmend auch Knöpfe zum Einsatz. Festtagshemden waren aus gekaufter feiner Leinwand genäht. Dazu gehörte ein schwarzes Halstuch.

Die geknöpfte Weste ("Leiwl") bestand aus blauem Tuch. Sie war mit einem Stehkragen versehen. Säume, Kragen und Taschenklappen wurden paspeliert; die Knopflöcher mit aufgesetzten roten Schnüren seitlich angedeutet.
Der dunkelblaue, mit Messingknöpfen versehene wadenlange blaue Mantel ("Schwenker") war den verheirateten Männern vorbehalten.
Für kühle Tage benutzte man einen Überrock ("Power"). Dieses mantelartige Kleidungsstück war aus dunkelblauem dickem Tuch. Im Schulterbereich hatte der "Power" aufgenähte blattförmige Samtverzierungen in Grüntönen. Außerdem gab es, ebenso wie bei den Frauen, den Pelz aus Schaf- oder anderem Leder.

Ledige Männer hatten als Kopfbedeckung die Pelzmütze ("Bolgmutzn") aus grünem Samt mit Iltisfellbesatz. Verheiratete trugen einen großen breitkrempigen Hut, dessen niedrige Kappe oft mit einer Schnur verziert war.

Die Beschreibung basiert auf Angaben der Heimatforscher Martin Storch (1900-1968) und Josef Hofmann (1858-1943).

Karlsbader Tracht

(beschrieben von Christa und Hermann Sehr)

Die Tracht der Karlsbader Landschaft zählt zu den Unterländer Trachten. Von Ort zu Ort wurde sie unterschiedlich gestaltet.

Das Hemd ("Hemmad") wird aus feinem Leinen angefertigt. Für Hals- und Ärmelkrausen werden Leinen- und Baumwollspitzen verwendet. Die Bauschärmel und alle Weißstickerei werden gut gestärkt getragen. Das Leibchen ("Leiwl") ist aus mattem Satin oder aus Samt. Ein besonderes Merkmal ist das gezogene Bauernband am vorderen Ausschnitt. Das Leibchen kann mit "Flinnala" und Goldborten verziert werden und wird mit einer Erbsenkette verschnürt. Die Schürze ("Fürta") ist bunt geblümt (Rosenmuster) und aus Brokat oder Seide. An der hinteren Bundmitte wird eine Schürzenschleife ("Oa maschn") aus breiten Bauernbändern getragen. Der Rock ("Kiedl") wird aus einem dunklen, changierenden Wollstoff angefertigt. Als Unterwäsche werden ein Unterrock und eine lange Unterhose aus weißer Baumwolle getragen.

Zur Tracht werden weiße, handgestrickte Strümpfe ("Strümpf") getragen. Am beliebtesten ist das Batzerlmuster, gerne trägt man auch das Pfauenschweifmuster. Dazu trägt man einfache Schnallenschuhe ("Schouh"). Ein kleines Schultertuch ("Schultertöichl"), bekannt als "Tiroler Töichla", schmückt die Trägerin. Das große Umschlagtuch kann über die Schulter gehängt werden und somit den Mantel ersetzen.

Dazu wird gerne eine reiche Halskette ("Hals-Ghäng") getragen. Die Haube war früher aus Silbergeflecht, konnte aber auch aus feuervergoldetem Material hergestellt sein. An der Rückseite der Haube werden seidene "Guckernbänder" (Cocardeband) aufgenäht, die zu einer großen Schleife gebunden werden und über den Rücken herabhängen.

Trachtenberaterin Hermine Bender in Karlsbader Tracht (Foto: Erich Rudel)

Die Egerer Tracht

(beschrieben von Christa und Hermann Sehr)

Die erneuerte Frauentracht aus Eger (Cheb) wurde Mitte der 1930er Jahre unter der Leitung von Josef Hanika erarbeitet.

Die Bluse ("s'Hemmad") aus weißem Leinen oder Baumwollstoff weist einen geraden Hemdschnitt mit weiten Ärmeln auf. Am eingereihten Halsausschnitt hat sie ein Stehbündchen, das ebenso wie die Achselnaht mit Stickereien (Hexenstich, Kettstich, Fischgrätenstich) in blau und gelb verziert ist. Den kunstvollen Ärmelabschluß bildet das "Muadl" oder "Gnahwrik" aus weißem Leinen mit aufwendigen Stickereien.

Das Mieder ("Leiwl") ist aus einem leichten, grünen oder blauen Wollstoff hergestellt. Eine Besonderheit ist das auffallend schmale Rückenteil mit dem darauf gestickten Lebensbaum. Unter dem Lebensbaum sind die "Guckern-Bandl" als Ersatz für die Schürzenbänder angebracht.

Der Rock ("Kiedl") aus rotem Wollstoff oder Mischgewebe wird ergänzt durch eine Schürze ("Fürta") aus schwarzer Seide, Halbseide oder mattem Satin. Darunter wird die Unterwäsche ("Untazöihzeich") aus weißer Baumwolle getragen.

Auch zu dieser Tracht gehört ein großes, gefranstes Brusttuch ("Brusttöichl") mit Rosenmuster sowie ein Kopftuch ("Kuapftöichl") mit demselben Muster. Ein weißes Spitzentüchlein ("Taschentöichl") ergänzt die Tracht. Auffallend sind die weißen Strümpfe ("Strümpf") mit Batzerlmuster, Pfauenschweifmuster oder ähnlichem. Dazu werden schwarze Schnallenschuhe ("Schouh") getragen.

Auch bei der Egerer Männertracht handelt es sich um eine 1936 erneuerte Tracht. Die Pumphose ("Huasn") aus schwarzem Tuch wird durch die Hosenträger ("Gschirr") aus schwarzem Leder gehalten. Das Geschirr schmücken drei große, achteckige "Huasnoa(n)toutara" (Hosenknöpfe) aus feuervergoldetem Messing. Sie sind zum Erkennungszeichen der Egerländer geworden. Das rotweiße Taschentuch wird sichtbar an der Hose getragen. Zur Hose wird ein weißes Leinen- oder Baumwollhemd ("Hemmad") mit Stehkragen getragen, das durch ein schwarzes Halstuch ("Halstöichl") ergänzt wird. Die Jacke ("Goller") besteht aus rostbraunem Tuch. Auffallend ist der Hut mit dem sogenannten Holzstoß ("Flodara"). Er besteht aus schwarzem Filz mit Seidenbändern.

Auch der Mann trägt weiße Batzerlstrümpfe und dazu entweder schwarze Schnallenschuhe oder Stiefel.

Trachtenberater Christa und Hermann Sehr in Egerer Tracht

Die Tracht der Region Chotieschau-Kladrau

Die Bewohner der Industriestadt Pilsen trugen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert keine Tracht mehr. Über mögliche ältere Stadttrachten wurden bislang keine Beschreibungen publiziert. Schon in den 1830er Jahren kamen Trachten offenbar nurmehr im Umland vor. Johann G. Sommer, der Topograph Böhmens, berichtet 1838 über den Kreis Pilsen:

Eigenthümliche Trachten beim Landvolke haben sich in mehren Gegenden, sowohl bei den böhmischen als teutschen Bewohnern erhalten. Ziemlich allgemein herrschend sind beim weiblichen Geschlechte rothe Strümpfe, sonst aber unterscheiden sich die Trachten verschiedener Gegenden merklich voneinander.

Das städtische Umland war nur im Südwesten (Chotieschauer Gebiet) von deutschsprachiger Bevölkerung bewohnt. Chotieschau und auch das westlich angrenzende Kladrau waren bis ins späte 18. Jahrhundert klösterliche Grundherrschaften. Dies trug vielleicht dazu bei, daß die Bevölkerung ihr traditionelles Kleidungsverhalten relativ lange beibehielt: Die Männertracht war bis ins ausgehende 19. Jahrhundert präsent. Die Frauentrachten wurden vereinzelt sogar bis zur Zeit der Vertreibung getragen. Zudem gab es nach 1938 Versuche zur Trachtenerneuerung.

Überlegungen zur Herkunft der Chotieschauer Tracht

Der Egerländer Schulmann und Heimatforscher Josef Hofmann (1858-1943) wies auf typisch slawische Elemente wie die roten Strümpfe hin. Er vermutete daher tschechische Einflüsse bzw. Vorbilder. Dies wäre nicht erstaunlich: Aus Briefen der Klosterleitung geht hervor, daß viele Klosteruntertanen im 17. Jahrhundert ihre tschechische Muttersprache nach und nach durch das Deutsche ersetzten. Der völkisch gesinnte Trachtenforscher Josef Hanika (1900-1963)  vermutete hingegen einen gänzlich deutschen Ursprung. Er sah in der Chotieschauer Tracht ein ins Bäuerliche übertragenes höfisches Rokokogewand.

Die festliche Frauentracht ("Weiwazwesen")

Das Hemd reichte fast bis zum Knie. Es bestand aus Leinen und hatte sehr voluminöse Ärmel ("Pauschärmel"). Die Ärmel-Enden ("Tatzen") und der Halsausschnitt hatten Spitzensäume. Im frühen 19. Jahrhundert waren auch Halskrausen üblich gewesen. Diese wurden mit der Zeit durch Halstücher ersetzt.

Der Oberrock ("oberer Kittel", "Pröller") war fein plissiert und meistens dunkelblau. Als Zierde dienten ihm Bänder, die oberhalb des Saumes aufgenäht waren. Damit der Rock beim Gehen schön schwang, nähte man eine dicke Schnur oder Kordel in den meist roten Saum ein.
Unterröcke ("Kittel") trug man drei bis vier Stück. Als letzter Unterrock wurde gerne ein abgetragener Oberrock verwendet. Der unterste und kürzeste Unterrock  wurde auch "Furzkittel" genannt.

Verheiratete Frauen trugen eine gestreifte ("glinierte") rote oder grüne Schürze ("Firta", "Fürtuch"). Ledige Mädchen bevorzugten geblümte Schürzen. Das Material bestand meist aus Baumwolle, teils aber auch aus Seide.

Das Mieder ("Leiwl") bestand idealerweise aus Samt und wurde vorne geschnürt. Am Rücken war es mit kleinen Flimmerln und Glasperlen bestickt.
Es wies an der Rückseite eine Wulst auf ("Leiwlwurscht"). Diese sorgte dafür, daß die Röcke schön fielen.

Zur Kopfbedeckung:Verheiratete Frauen trugen über ihrem Dutt große weiße leinene Kopftücher mit schwarzen Seidenstickereien. Ledige Mädchen flochten sich Zöpfe und setzten ein "Stirntüchl" aus Samt und besticktem Leinen auf. Hinzu kam eine große runde Haarnadel aus Messing. Beliebt war auch das "Schöpperl", ein kleines Kopftuch, das unter dem Dutt geknotet wurde.

Als Jacken waren Spenzer aus weißem Tuch mit grünen oder roten Paspeln üblich. Für den Winter gab es den Weiberpelz ("Weiwatspelaz"). Er war mit Lederstreifen, Schnüren und gestickten Blumen verziert.

Die Strümpfe reichten über das Knie hinauf und waren aus dicker, rot gefärbter Wolle gestrickt. Sie wurden unter den Knien mit bestickten Bändern ("Bandbandlan") abgebunden.

Als Schuhe wurden meist einfache Lederpantoffeln getragen. Für feierliche Anlässe gab es niedrige Halbschuhe ("Batschala") aus bunt besticktem schwarzem Samt.

Die Männertracht ("Mannatswesn")

An Werktragen trug man ungebleichte Hosen aus grobem Leinen. Zudem gab es die Lederhose aus ungefärbtem, gelblichem Material. Bei älteren Exemplaren konnte an der Vorderseite das "Huasntürl" aufgeknöpft und herunterklappt werden. Bei den während der 1930er/40er Jahre erneuerten Trachten fehlte dieses Element. In einem seitlich aufgenähten Täschchen konnte bei feierlichen Anlässen ein Lederbehälter mit Besteck aufbewahrt werden. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde der Ledergürtel zunehmend durch Hosenträger ersetzt. Zu den Hosen trug man schwarze Schaftstiefel.

Das Hemd war kragenlos und meist aus selbstgemachtem Leinen. Am Hals wurde es mit einem Bändchen gebunden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen zunehmend auch Knöpfe zum Einsatz. Festtagshemden waren aus gekaufter feiner Leinwand genäht. Dazu gehörte ein schwarzes Halstuch.

Die geknöpfte Weste ("Leiwl") bestand aus blauem Tuch. Sie war mit einem Stehkragen versehen. Säume, Kragen und Taschenklappen wurden paspeliert; die Knopflöcher mit aufgesetzten roten Schnüren seitlich angedeutet.
Der dunkelblaue, mit Messingknöpfen versehene wadenlange blaue Mantel ("Schwenker") war den verheirateten Männern vorbehalten.
Für kühle Tage benutzte man einen Überrock ("Power"). Dieses mantelartige Kleidungsstück war aus dunkelblauem dickem Tuch. Im Schulterbereich hatte der "Power" aufgenähte blattförmige Samtverzierungen in Grüntönen. Außerdem gab es, ebenso wie bei den Frauen, den Pelz aus Schaf- oder anderem Leder.

Ledige Männer hatten als Kopfbedeckung die Pelzmütze ("Bolgmutzn") aus grünem Samt mit Iltisfellbesatz. Verheiratete trugen einen großen breitkrempigen Hut, dessen niedrige Kappe oft mit einer Schnur verziert war.

Die Beschreibung basiert auf Angaben der Heimatforscher Martin Storch (1900-1968) und Josef Hofmann (1858-1943).

Tracht des Elbetales, der Nebentäler und des Mittelgebirges

(beschrieben von Christl Scharb)

Die jeweilige Eigenart der alten Mieder richtete sich nach Pfarrsprengeln oder Herrschaftszugehörigkeit. In den Gebirgsgegenden hielten sich die Volkstrachten bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Trachtenerneuerung in den 1930er Jahren griff auf die alten Formen zurück, aber die Kenntnisse über die Verarbeitung waren inzwischen verloren gegangen und die entsprechenden Stoffe, wie z.B. bunte Brokate gab es nicht mehr.

Auf die Form der alten Schnürmieder kann man heute aber wieder zurückgehen (Funde in Museen oder Abbildungen). Die Schnürmieder, die wir heute Leibel nennen, sind vorne, häufig auch rückwärts geschnürt, reichen in der Tiefe nur bis zur Brusthöhe, haben schmale Träger, einen schmalen Rücken und gerade Nähte, da die mit Fischbein ausgestatteten Mieder nur gerade Mieder haben konnten. Auch die Brustnaht, die beim Trägeransatz beginnt, ist eine gerade Naht. Auf jeden Fall muß aber an der Kante vor den Schnürlöchern ein Fischbein eingezogen werden, damit die Schnürung die Kanten nicht verziehen kann.

Das Leibel aus festlichen Stoffen, wie z.B. Woll- oder Seidenbrokate, aber auch einfarbigen dunklen Seiden haben sogenannte "Schlunge" an der Taillenlinie, die den früheren Hüftpolstern nahe kommen sollen.

Das Hemd ist ein einfacher "Kimonoschnitt" mit einer Halskrause, weiten eingereihten Ärmeln, die mit Klöppelspitze besetzt sind.

Der Rock ("Rieser") ist einfarbig zum Leibelstoff passend, hat eine Saumblende ("Fälsche") oder ist bei Festtrachten mit einer oder zwei Seidenblenden besetzt.

Die Schürze ist aus weißem, feinem Leinen, mit einem Biedermeiermuster bestickt oder mit einem Traubenmuster, das auf der ganzen Schürze verstreut ist.

Trachtenberaterin Elisabeth Bschoch in Elbetaler Tracht (Foto: Erich Rudel)

Die Erzgebirgstracht

(beschrieben von Friederike Wagner)

Nach der Vertreibung entwickelte Jobst aus Stolzenhain (Kreis Komotau/Chomutov) eine Erzgebirgstracht, das "Ohziehzeich".

Es handelt sich um eine einfache Tracht, deren einziger Schmuck die handgeklöppelten Spitzen an Bluse und Schürze sind. Die Bluse aus weißem Leinen hat einen runden Halsausschnitt aus Klöppelspitze und lange Ärmel mit Klöppeleinsatz am Oberarm und am Bündchen.

Das Leibl oder Mieder ist einfarbig, besitzt einen runden Ausschnitt und einen schmalen, hohen Rücken, der in Bogen ("Klafirln") ausläuft.

Der Kittel besteht aus Leinen mit einem kleinen Blumenmuster, das farblich zum Mieder paßt. Er ist zweieinhalb bis drei Meter weit. Die Schürze aus weißem Leinen kann im unteren Viertel einen waagrechten Klöppelspitzeneinsatz mit unten angesetzter Spitze erhalten. Bei einer anderen Variante weist die Schürze zahlreiche senkrecht verlaufende Klöppelspitzeneinsätze zwischen schmalen weißen Stoffbahnen auf. Auch eine längs gestreifte Leinenschürze ist möglich.

Trachtenberaterin Friederike Wagner in der Erzgebirgstracht (Foto: Erich Rudel)

Die Iglauer Bauerntracht

(beschrieben von Traudi Höfer)

Die Iglauer Männertracht stammt in der heute üblichen Trageweise aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu ihr gehört eine schwarze oder geblümte Samtweste, ein Leinenhemd mit weiten Ärmeln, eine schwarze Stiefellederhose und schwere Bauernstiefel. Dazu wird ein Filzhut oder ein "Vetternkappl" aus dunkelblauem Samt getragen.

Die Festtagstracht der Frauen geht auf viel ältere Ursprünge zurück, als das Gewand noch nicht geknöpft, sondern durch Bänder gehalten wurde. Sie lässt sich bis ca. 1800 zurückverfolgen. Die weiße Leinenbluse hat kurze, gebauschte Ärmel, die an den Armen mit bunten Bändern gehalten werden, der Spitzenkragen wird gefaltelt. Das reichgeblümte Mieder wird vorne über der Bluse mit einem roten Band im Zickzack geschnürt ("Hinawider"). Der Rock ist aus dickem Wollstoff ("Scharkarock") in den Farben "blent" (hellblau), dunkelblau oder schwarz und ist am Saum durch ein rotes Innenband verziert. Die Schürze ist bei den Mädchen weiß mit Spitzenbesatz, bei den Verheirateten dunkelblau aus Wachstuch.

Auffällig sind die leuchtend orangeroten Strümpfe, die von Hand gearbeitet und gefärbt werden, und das große rote Kopftuch mit einem Blumenmuster am Rand, das kunstvoll nach "altdeutscher Bindeart" um den Kopf geschlungen wird, so dass der Zipf weit über den Rücken herabhängt.

Trachtenberaterin Traudi Höfer im Sonntagsgewand ("Suntegwente") der verheirateten Frauen.

Die Tracht der Stadt Reichenberg

(beschrieben von Roswitha Seliger)

Der Jeschken-Iser-Gau und insbesondere die Gegend um Reichenberg (Liberec) gehörten zu jenen Landschaften, in denen die Tracht bereits sehr früh durch modische Kleidung verdrängt wurde. Der Trachtenausschuß unter Leitung von Josef Hanika erarbeitete seit Mitte der 1930er Jahre eine erneuerte Tracht, die typische Elemente der historischen bäuerlichen und städtischen Tracht vereinte. Bei der Vertreibung wurde, versteckt in einem Kinderwagen, eine Tracht gerettet. In der Folgezeit diente sie als Vorbild für die neugeschneiderten Trachten.

Kernstück der Reichenberger Tracht ist der Spangenleiblrock, der aus gutem, ungemustertem Wollstoff in zwei verschiedenen Farben besteht. Das Leibl und der acht Zentimeter breite Saum, der nach innen geschlagen wird, sind von der gleichen Farbe. Das Spangenleibl wird an den Schnittkanten von dem Stoff des Rockes eingefaßt. Die Spange wird durch einen Einschnitt erzielt. Zwei mit einem Kettchen versehene Knopfpaare halten sie fest. Das Vorderteil zieren Lebensbaummotive, die in der Farbe des Rockes aufgestickt sind. Am Rücken ist in der gleichen Farbe die Miederverschnürung durch Stickerei angedeutet. Leibl und Rock, der reich gezogen ist, sind bis auf die vordere Spitze, die lose bleibt, fest miteinander verbunden. Unter dem Leibl wird eine weisse Baumwollbluse mit kurzen, bauschigen Ärmeln getragen. Die Ärmel und der Halsausschnitt sind mit geklöppelter oder gehäkelter Spitze verziert. Die Schürze besteht aus schillerndem Taft, in dem sich beide Farben der Tracht spiegeln. Sie wird mit einem silbernen Knopf zusammengehalten. Das Brusttuch ist aus weißem Baumwolltüll und reich bestickt. Zur Tracht werden weiße Baumwollstrümpfe und schwarze Schuhe getragen.

Trachtenberaterin Roswitha Seeliger in der Tracht der Stadt Reichenberg (Foto: Erich Rudel)

Die Kuhländler Frauentracht

(beschrieben von Else Pesch)

Das Hemd oder die Bluse ist aus feinem Leinen und an Hals und Ärmelrüschen mit Weißstickerei geschmückt. Das Besondere daran sind die "Kuhländler Spinnen". Mädchen tragen kurze gebauschte Ärmel, Frauen dagegen lange.

Das Mieder (Brustfleck) wird aus Serge-Wollsatin oder Seidendamast genäht. Es wird mit Steifleinen verstärkt, an den Kanten mit Tresse oder Schrägband versäubert und mit einer Klöppelspitze in Silber oder Gold umrandet. Am Rückenteil werden fünf nach unten geöffnete, verstärkte, rot unterlegte Halbbögen ("Schietzlen") gearbeitet und mit einem Spannfaden in Form gehalten. Ein kleines Schößchen verbindet die Schietzlen mit dem Vorderteil.

Für den Rock wird Wollstoff verwendet, der in 4 cm breite Falten gelegt wird. Am Saum befindet sich ein 22 cm breites "Blech", eine Blende aus Taft. Der untere Rockrand wird mit einem roten Paspelabschluß versehen, der nach innen umgeschlagen und verstärkt wird, so dass der Rock schön schwingt.

Die gefältelte Haube hat die Form eines Kästchens. Baumwolltüll wird mit kleinen Streublümchen, Ranken und Tupfen bestickt, Bund und Grund der Haube werden mit rosafarbenem Stoff unterlegt. Der vordere Rand der Haube wird mit kleinen Zacken abgeschlossen. Zwei lange Haubenbänder zieren, zu einer Schleife gebunden, den unteren Haubenteil.

Trachtenberaterin Else Pesch in der Kuhländler Tracht

Gab es eine Libinsdorfer Tracht?

Ob in Libinsdorf überhaupt Tracht getragen wurde, ist unklar. Die meisten Bewohner des um 1790 auf ehemaligem Klosterland gegründeten Libinsdorf (auch: Liebinsdorf, tschech. Karlov) hatten nordböhmische Ursprünge. Mögliche Trachten könnten also an Kleidungsgewohnheiten aus der böhmischen Schweiz orientiert gewesen sein. Analog zur Mundart ist eine Konservierung älterer, in Nordböhmen zwischenzeitlich weiterentwickelter Elemente denkbar. Ohne Bildquellen oder Gewährsleute bleiben diese Überlegungen aber letztlich Spekulation.

Der Verbleib der Libinsdorfer nach 1945 ist bislang unbekannt. Das Fehlen von Organisationsformen läßt an eine Ankunft in der ehemaligen DDR denken.

Gruppenbild aus Libinsdorf (Jahr und Fotograf: unbekannt). Ob die Frau Tracht trägt, ist wegen der schlechten Bildqualität nicht zu entscheiden.

Abb. aus: Der Heimatspiegel. Jahrbuch der Iglauer Sprachinsel 1 (1929), S. 112.

Von traditioneller Kleidung oder Trachten der Olmützer Sprachinsel gibt es praktisch keine Überlieferungen. Das Tragen von Tracht war nach 1900 kaum noch gebräuchlich. Nur über die Tracht des Ortes Nebotein liegen Anhaltspunkte vor. Anscheinend gab es im Vergleich mit anderen Gemeinden der Sprachinsel gewisse Unterschiede in Tracht und Mundart.

In einem Bericht aus den 1920er Jahren heißt es zur Neboteiner Tracht: 

Die Frauentracht

Die Neboteiner Frauen trugen kurze Hemden aus grobem Leinen. Darüber zogen sie ein Hemd aus feinerem Leinen ("Niderle") an. Es war am Rückenteil mit schwarzen Sternchen und Punkten bestickt und wurde vorne mit einem schwarzen Band zugebunden. Um den Hals trug man einen Spitzenkragen ("Kreislik"). Der knielange Rock war schwarz, darüber wurde eine Schürze ("Zaster") gebunden.

Die Frauen  hatten einen kurzen Spenzer oder "Pelz" an, der mit Fuchsschwänzen ausstaffiert war. Dazu kamen farbige Strümpfe und Halbschuhe. Wochentags gingen die Frauen mit roten Kopftüchern mit Blumenmustern aus dem Haus, sonn- und feiertags mit weißen.
Auf einer Lithographie von 1853 sind Bäuerinnen mit großen weißen Halskrausen abgebildet. Solche Halskrausen kennt man in ähnlicher Form auch aus anderen Regionen, besonders aber aus der Wischauer Sprachinsel.
 
1936 wurde in der Olmützer Sprachinsel eine erneuerte Tracht eingeführt. Rock und Leibl waren farbig, Bluse und Schürze weiß. Die formal schlichte Tracht sollte als Sonntags- und Festkleidung benutzt werden. In der Olmützer Heimatstube in Nördlingen ist ein Exemplar davon ausgestellt.

Die Männertracht

Zuerst trugen die Männer rote Kniehosen und dazu einen breiten Gürtel. Von den Knien bis zu den Knöcheln reichten weiße leinene "Beinschutze" – vielleicht eine Art Gamasche. Etwa ab 1850 kamen gelbe Hosen auf. Das Schuhwerk waren schwarze hohe Schuhe.

Die Hemden ("Kittel") hatten weite Ärmel , die Westen ("Brustfleck") wiesen Metallknöpfe auf. Bei Kälte bekleidete man sich mit einem schwarzen Tuchmantel, der im Winter mit einem roten Pelzkragen versehen war. Dazu kam eine runde Samtmütze. Im Sommer wurde die Tracht durch einen Filzhut in "Schinackelform" ergänzt. Das Wort "Schinackel" bedeutet "kleines Boot". Womöglich war die Krempe also an zwei Seiten hochgeschlagen. Mit solchen Hüten sind einige Bauern bei ihrer Arbeit auf der oben erwähnten Lithographie aus dem Jahr 1853 dargestellt worden.

Informationen nach einer tschechischsprachigen Broschüre „Pamìti obce Hnìvotína“ (Denkwürdigkeiten aus Nebotein) der Autorin Vlasta Kauerová (1998). Die Übersetzung übernahm Dr. Richard Rothenhagen, der auch die Trachtenbeschreibung in der genannten Broschüre entdeckt hat. Die Beschreibung basiert auf Aufzeichnungen, die ein Lehrer namens Augustin Marek in den 1920er Jahren vorgenommen hat.

Die Braunsche Bauerntracht

(beschrieben von Angela Zumstein)

Die Tracht stammt aus dem fruchtbaren Braunauer Ländchen in Ostböhmen. Mit Goldhaube und Schmuck zeigte sie den Wohlstand seiner Bewohner. Tracht trug man im Braunauer Ländchen bis etwa 1870 an Sonn- und Feiertagen, später dann zu besonderen Anlässen, wie Erntedankfesten und großen Veranstaltungen der Volkstumsverbände.

Die hier abgebildete Tracht entspricht der zwischen 1820 und 1845 getragenen Form. Das Leinenhemd hatte einen Schlitz auf der Vorderseite; den Hals zierte eine Klöppelspitze, ebenso die Ärmelkante. Eine silberne Hemdspange zierte das Hemd. Unter dem Hemd trug man 2-4 Unterröcke. Im Winter war einer davon dick wattiert, denn die Tracht hatte keinen Mantel.

Als Leibchen gab es die "Gestaalt" aus farbigem Brokat (einen etwa 20 cm hohen Streifen in der Weite des Brustumfangs mit seitlichen Abnähern versehen), gehalten von zweifingerbreiten Trägern ("Hocka") und vorne mit Krönchenknöpfen ("Krienlan") geknöpft. Am untersten Saum des Leibchens waren drei mit Sägmehl ausgestopfte Wülste ("Schiesslan") genäht, die den Zweck hatten, durch die verkürzte Taille den Rock zu halten.

Der "Zeuchla-" oder Bänderrock war aus grober Wolle mit Leinen gewebt, meist grün-braun oder rot-blau changierend, am Bund eingereiht. Die untere Rockkante war mit einem handbreiten schillernden Seidenband in abstechender Farbe verziert. Die reinseidene Taftschürze reichte fast bis zur Rockkante und bedeckte diesen bis weit nach hinten.

Das Seidentuch mit Fransen, prächtig farbig schillernd, mit eingewebten Blumenbuketts trug man diagonal gefaltet um die Schultern gelegt und hielt vorn die Zipfelenden in die Schürze gesteckt fest.

Die "Faalajacke" (wohl wegen der gefälteten Auszier so genannt) war aus demselben Stoff wie der Rock und mit dem gleichfarbigen Seidenband des Rockes verziert.

Die "Tressenkappe" war die Krönung der Tracht. Sie bestand aus Silber- oder Goldspitze. Ein aus Metallfäden gestickter Lebensbaum mit Granaten und bunten Steinen geschmückt füllte die Haubenplatte. Darauf saß dann, aus dem Seidenband des Rockes, farbgleich im Nacken eine Schleife.

Trachtenberaterin Angela Zumstein in der Braunauer Bauerntracht

Die Oberländer Frauentracht

(beschrieben von Hannelore Preisenhammer)

Die Schönhengster Tracht ist eine sehr alte Tragmiedertracht. Sie ist schon auf einem Grabstein in Mährisch Trübau von 1612 zu sehen. Um 1900 wurde sie nur noch auf dem Lande von älteren Frauen getragen oder an Fasching zum Theaterspiel angezogen. Durch die Wandervogelbewegung - in Mährisch Trübau fand 1923 die erste Singwoche unter Walther Hensel statt - wurden die Trachten aus den Truhen geholt und neue genäht. 1938 gab es in und um Mährisch Trübau wieder 500 Trachten.

Das Mieder zeigt aufgenähte, moosgrüne Samtbänder, deren Zwischenräume mit Goldborten unterlegt sind. Seitenteil und Zwickel am Rücken sind auf hellem Grund bestickt. Das Miedermittelteil ("Vorsteck", "Zierbrettl") wird mit Goldborte, Samtband und Stickerei verziert. Das Mieder wird ringsum orangerot paspeliert.

Der Rock ist aus grünem Wollstoff mit dunklerem Besatz aus Serge (oder Seidenstoff) und unten orangerot paspeliert. Rückwärts ist er dicht gereiht oder gefältelt. Die Schürze ist mit Bauernrosen auf weißem Grund gemustert. Die Bluse ("Hembla") ist aus weißem Leinen mit einer dichtgereihten Halskrause ("Kresla"), die sehr gestärkt wird, Puffärmeln mit Ärmelrüschen ("Garnierla"). Halskrause und die Ärmelrüsche schließen mit einer Strickspitze, eventuell auch einer Klöppel- oder Häkelspitze ab. Sie sind mit Kreuzstichen oder einem floralen Muster goldfarben bestickt.

Die Strümpfe sind orangerot, die Schuhe schwarz mit messingfarbener Schnalle.
Als Kopfbedeckung trugen die Frauen den "Sachs", ein kunstvoll geknüpftes, rotgemustertes Tuch. Heute sieht man den Sachs nurmehr selten.
Sie ist schon auf einem Grabstein in Mährisch Trübau (Moravská Tøebová) von 1612 zu sehen.

Trachtenberaterin Hannelore Preisenhammer in der Oberländer Tracht

Südmährische Werktagstracht

(beschrieben von Liesbeth Leisner-Bühler)

Die beschriebenen Trachten wurden im Gebiet Znaim und Joslowitz getragen.

Zum weißen Hemd ("Pfoad") aus Leinen oder Baumwolle mit langen Ärmeln und Stehkragen trägt der Mann einen kurzen, taillierten und doppelreihig geknöpften Spenzer oder Janker aus blau-schwarz kariertem Kalmuk. Die Hose ist schwarz, die Lederstiefel ebenfalls. Die Schürze ist aus blauem Baumwollköper und wird an einer Ecke hochgeschlagen. Der Mann trägt ein Halstuch aus farbiger Baumwolle, aber keine Kopfbedeckung.

Die Werktagstracht der Frau besteht aus einem weißen Hemd ("Pfoad") aus Baumwolle oder Leinen mit kurzen glatten Ärmeln und einem schlichten Halsausschnitt. Dazu gehört ein Leibchenrock mit blaugestreiftem Mieder und blaugestreiftem Rock oder rot-schwarz gestreiftem Mieder und schwarz-weiß gestreiftem Rock. Vorder- und Rückenteil des Mieders sind längs-, Latz und Träger quergestreift. Der Latz ist mit zwölf Silberknöpfen versehen. Die baumwollene Schürze ist immer blau, es ist eine Halbschürze ohne Bänder mit weißen Steppnähten und Monogramm über dem Saum. Der Rock wird "gestiftelt" und reicht bis etwa zur halben Wade, der Saum wird mit rotem "Blech" versehen. Der Unterrock blitzt am Saum nicht hervor. Zu weißen Strümpfen werden einfache, schwarze Trachtenschuhe getragen.

Südmährische Werktagstracht (Foto: Erich Rudel)

Nach 1900 wurden die ererbten Trachtenstücke nur noch in Ausnahmefällen getragen, wie etwa bei Tanzfesten. In den 1930er/40er Jahren gab es erfolglose Versuche, eine Variante der erneuerten Schönhengster Tracht einzuführen.

Die alte Tracht des Sprachinselgebietes scheint nicht überliefert zu sein. Ungenaue Beschreibungen sind in heimatkundlichen Schriften enthalten. Diese Beschreibungen erinnern an Merkmale der Wischauer und Olmützer Tracht (Halskrause, farbige Strümpfe).

Die Frauentracht ("Trog", "Trook")

Das Hemd bestand aus Kostengründen bis zur Taille aus der feineren Leinwand und im unteren Teil aus selbstgewebtem Leinen. Die kurzen Puffärmel erhielten zwecks besserer Bewegungsfreiheit unten einen Zwickel ("Spätlich"). Den Hals zierte entweder eine Halskrause aus Tüll ("Kohler") oder eine gestärkte Krause ("Platzak", "Kragnla").

Die nicht näher beschriebene Miederjacke wurde "Gadolka" genannt (von tschech. Kordulka = Miederchen). Um einen Kontrast zur breiten Silhouette des Rockes zu erzielen schnürte man das Mieder sehr eng.

Zum Aussehen des Oberrocks liegen keine Angaben vor. Unterröcke ("Schurzn") trug man bis zu sieben Stück, was einen sehr voluminösen "Unterbau" ergab. Von den Schürzen heißt es lediglich, sie wären breit und aus Wandelseide gewesen.

Die warme Winterjacke hieß "Katzabaika" (von tschech. Kacabajka = Pelzjacke). Sie war aus feinem Tuch und an der Brust tief ausgeschnitten. Weitere Merkmale waren hohe „Schinkenärmel“ und ein Futter aus Watte oder Schaf-Fell. Ihre kurzen Schöße waren aufgestellt. Es gab auch leichtere "Summerkatzabaiken" aus Seide.

Das große Kopftuch wurde hinten geknotet und die Enden zu einem Kranz um den Kopf gewunden. Zudem gab es auch kleinere „Tichla“ in Rot oder Schwarz mit geblümtem Rand. Der Haarknoten hieß mundartlich "Mups".

Schuhe wurden nur zum Gottesdienst und im Winter getragen. Die Frauen hatten einen niederen Schuh, der "Pariserschuh" genannt wurde.
Die Strümpfe waren gestreift und meist weißrot.

Die Männertracht

Die Beschreibung der Männertracht erinnert an jene aus Mähren, Böhmen und Bayern: Zur Arbeit waren einfache Leinenhosen üblich. Ansonsten steckten die Männer die langen Hosenbeine ihrer Lederhose in die schweren Schaftstiefel. Der Oberkörper war mit einer hochgeschlossenen, zweireihig geknöpften Weste ("Westa", "Leibl", "Jack", "Frack") bekleidet. Darunter befand sich ein Hemd ("Kittl"), das am Hals mit einem Tuch zusammengehalten wurde.

An Festtagen trug man darüber einen dunklen oder brauen Tuchrock ("Jack").  Der Zylinder diente an Feiertagen als Kopfbedeckung. Auch Pelzmützen waren gebräuchlich.

Angaben nach: Blösl, Die Sprachinsel Deutsch-Brodek-Wachtl, 1921; Müller, Wachtler Gedenkbuch, 1970; Huttarsch, Wachtl, 1986.

Festtagstracht aus der Wischauer Sprachinsel

(beschrieben von Willi und Rosina Reim)

In den fünf Dörfern der oberen Wischauer Sprachinsel hat sich eine alte Form der Tracht erhalten. Bis zur Vertreibung trugen beide Geschlechter vom Säugling bis ins Greisenalter die Tracht als ihre ausschließliche Kleidung.

Die Tracht zeigte die Zusammengehörigkeit ihrer Träger an, sie kennzeichnete sie als die Bewohner ihrer Orte, des bäuerlichen Standes und deutscher Volkszugehörigkeit. Sie schloß die Dörfer von dem tschechischen Umland ab, wo man längst zur modischen Kleidung übergegangen war. Die Wischauer nahmen den Unterschied in der Kleidung so stark im Sinne einer nationalen Differenzierung wahr, daß sie ihre Tracht als "deutsch" empfanden, moderne Kleidung dagegen als "tschechisch".

Das Foto zeigt die Hochfesttagstracht der verheirateten Frau, wie sie bis zur Vertreibung getragen wurde. Kennzeichnend ist die weiße, gestärkte Haube ("Haupntiachl") mit den rückwärts herunterhängenden, weißen, breiten und bestickten Bändern. Die "Wied", ein quadratischer Rahmen aus Weidenruten, wird mit Bändern, die ins Haar eingeflochten sind, befestigt und gibt dem gesamten Kopfputz den richtigen Halt. Auf die "Wied" kommt eine bestickte, dunkellila Haube, wobei zu beachten ist, dass das rote Rheinischband der "Wied" auf der Stirn zu sehen ist. Den Abschluß bilden die roten, ebenfalls bestickten Rheinischbänder, die über die weißen Bänder fallen.

Das über die Schulter gelegte "Brautentuch" hat eine Länge von 2,25 m und ist sechsmal gefaltet, damit es schön fällt. Die rote Stickerei an den Längsseiten ist rechts und links einer Borte angebracht. Den Abschluß der beiden Schmalseiten bilden religiöse Monogramme und aus dem Stoff gezogene Fransen.

Das auffallendste Merkmal der Wischauer Frauentracht ist die Halskrause ("Tatzl" oder "Kresl"), die durch alle Lebensstufen hindurch und bei allen Gelegenheiten getragen wurde. Die "Tatzl" sind für die festliche Tracht reich mit Weißarbeit verziert, sehr steif gestärkt und mit einer Brennschere geformt ("gekulmt"). Sie werden an eine kurze Bluse ("Miadal") aus bläulich gestärktem Leinen ("pöllerische Leimat") mit Stickereien am Ärmel und an den Schultern angenäht.

Das Seidenmieder ("Jankerl" oder "Fritka") ist mit einem blauen Band an beiden Vorderseiten und am Halsausschnitt versehen. Die roten "Haklbandln" und eine Knopfreihe als Schmuck dienen als Mieder-Verschluß.

Der schwarze, steife Oberrock ("da glitzad Schuaz"), wird über drei bis vier steif gestärkten und ebenfalls gefältelten Unterröcken getragen. Bei den Unterröcken wird unterhalb der Taille eine Doppelnaht ("Bankerl") genäht, damit die Hüften der Trägerin gut zur Geltung kommen. Unter dem Oberrock sollte der oberste der weißen Unterröcke ("pöllerische Schuaz") etwas hervorblitzen.

Die Schürze ("Fürstejck") aus pöllerischer Leinwand hat an der Taille einen reich bestickten Bund ("Riech"), am Saum eine rote Borte und als Abschluß eine schöne Spitze. Die Schürzenbänder sind reich bestickte Moireebänder. Die orangefarbenen, dünnen Wollstrümpfe gelten für alle Altersstufen und sind ganz typisch für die Wischauer Tracht. Die weiß bestickten Ledersamtschuhe ("Rahml-Schuach") sind handgearbeitete Originale und werden mit Maschen aus blauem Rheinischband gebunden. Das bestickte Taschentuch aus dem Jahre 1935 ist ein Brautgeschenk an den Bräutigam.

Der Mann trägt zur schwarzen Tuchhose ein weißes Hemd ("Foit") aus pöllerischer Leinwand mit blau-gestickter Ärmelleiste, dazu einen bunt gestickten Hosenträger und darauf eine geblümte Samtweste ("Brustflejck"), die vorne mit zwei Reihen Messingknöpfen geschlossen wird. Der Hosenträger sollte am Vorderteil knapp aus der Samtweste hervorschauen und an den Armausschnitten sichtbar sein. Ein orange-gemustertes Tuch ("würmalets Tiachl") wird um den Hemdenkragen wie eine Krawatte angelegt. Zu Hochzeiten und festlichen Anlässen wurde auf dem dunkelgrünen Plüschhut mit etwas hellerem grünem Band ein buntes Blumensträussel mit Flitter angebracht.

Trachtenberater Rosina und Willi Reim in der Wischauer Festtagstracht (Foto: Erich Rudel)

Kontakt: Rosinare@aol.com 

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