BannerbildWinterlandschaft im AdlergebirgeBlick nach JesenikWinter im AdlergebirgeBabitz bei LessonitzBannerbild
Link verschicken   Druckansicht öffnen
 

Kartoffel- und Knödelkunde

Kartoffeln, Foto: Scot Nelson, CC0, via Wikimedia Commons
Auch Essen ist Kultur
Erdöpf‘l – und kleine Knödelkunde

 

Die Kartoffel war um die Mitte des 16. Jahrhunderts aus Südamerika nach Europa eingeführt worden, zunächst als Zierpflanze. In Deutschland sollen die ersten Kartoffeln während der Regierung von Ferdinand III., römisch-deutschem Kaiser aus dem Hause Habsburg, im Jahre 1647 in Oberfranken angebaut worden sein. Früh wurde sie auch im sächsischen Vogtland, nahe dem Egerland angebaut. Infolge des einfachen Anbaus auch auf weniger anspruchsvollen Böden entwickelte sich die Kartoffel auch im Egerland zu einer der wichtigsten Ackerfrüchte. Nach mehreren Hungersnöten in den Jahren nach 1770, in denen die Getreideernte mehrfach missraten war, befahl Kaiser Joseph II. (ein Sohn der Kaiserin Maria Theresia), im Habsburger Reich - und somit auch in Böhmen und im Egerland - den Bauern verstärkt Kartoffeln anzubauen. Besonders in den wenig fruchtbaren Randgebieten, wie dem Egerland, spielte die Kartoffel insofern eine sehr wichtige Rolle und wurde hier bald zu einem Volksnahrungsmittel ersten Ranges. Dies zeigt sich beispielsweise in dem scherzhaften Gedicht:

 

 Erdöpf’l in da Fröih,

z‘ Mittwoch in da Bröih,

af d‘ Nååcht in da Zeit;

sua gäiht’s biis in d‘ Äiwichkeit!

 

Kartoffeln kamen zum Frühstück und zum Abendessen als Pellkartoffeln (gånz Erdöpf’l, Erdöpf’l in da Montur, kocht Erdöpf’l, Kümm’ler-döpf’l) auf den Tisch und wurden mit Salz, Butter oder etwas Quark genossen. Mittags gab es Soolzerdöpf’l (Salzkartoffeln), a(n’gschnitt’n Erdöpf’l (Bratkartoffeln) oder einen Eintopf in Form von g’spålkt Erd-öpfl’n bzw. Erdöpfl’n in da Bröih. Erdöpf‘l waren vielfach Zutaten zu anderen Speisen oder wurden für Suppen oder Salate verwendet. Ihre größte Bedeutung erlangten die Erdöpf‘l im Egerland als Grundlage für verschiedene Knödel.

 

Eine der beliebtesten Knödelarten waren Knödel, die gemischt aus „grünen“ (rohen) und gekochten Kartoffeln zubereitet wurden, diese hießen in der Gegend um Fleißen daher Kochtagräin Knia(d)la, im engeren Egerland wurden sie Glitscha genannt, im oberpfälzischen Teil des historischen Egerlandes Spåutz’n (Spatzen). Wurden die Knia(d)la nur aus gekochten und zerkleinerten Kartoffeln zubereitet, hießen sie im Egerland Zua(d’l- oder Erdöpf’lspåutz’n. Wurde einem solchen aus gekochten und zerkleinerten Knödelteig Weizenmehl hinzugesetzt, so nannte man sie in und um Albenreuth Wåizana, in Schönbach Seidicha oder Seidana, im Sechsämtergebiet Baumwollene, im Falkenauer Bezirk Schnäibooln (Schneebälle), im nördlichen Stiftland Kocht Erdöpf’lknia(d)la, um Tirschenreuth gsua(t)na Knia(d)la (gesottene Knödel). Wurde statt Weizenmehl Gerstenmehl (Girschtanas) hinzugesetzt, erhielt man Girschtana Knia(d)la.

 

Eine vierte Art „Kartoffel-Klöße“ waren die in der mit Fett ausgeriebenen Pfanne aus rohen und gekochten Kartoffeln zubereiteten Båchna Knia(d)la (Gebackene Knödel), im Ascher Ländchen Pfånnaknia(d)la, im nördlichen Stiftland Erdöpf’lknia(d)la, in Tirschenreuth und nördlich davon Doodsch, hochdeutsch „Kartoffelpuffer“ genannt. Einfachere Pfannengerichte aus gekochten Kartoffeln waren die länglichen Erdöpf’l-schöppala, auch Erdöpf’lwürstla genannt und die ballförmigen Erdöpf’lbååln. Reiwakniadla - „Schnäibolln“

 

Rezept: Kartoffelknödel

 

Zutaten: ca. 2 kg rohe Kartoffeln, ½ kg gekochte Kartoffeln, 60 g Mehl, 15 g Salz, 250 g – 500 g Magerquark oder Joghurt.

 

Zubereitung: Rohe Kartoffeln schälen, reiben und fest ausdrücken. Die geriebenen Kartoffeln sofort mit Magerquark vermischen, damit sie nicht braun werden. Die gekochten, gepressten Kartoffeln und Salz dazu geben und mit so viel Mehl vermengen, dass ein nicht

so lockerer Teig entsteht. Mit nassen Händen 9-10 Knödel formen, in kochendes Wasser einlegen ca. ½ Stunde langsam kochen.

 

Quelle: Alexander Friedl, Gmoibladl Stuttgart Juni/Juli 2022

veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Gmoi-Bladl, All-Eghalanda Gmoi Rawetz